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Trendreport · Nr. 2/2026 · 26. Oktober 2026

Einbettung statt Eskalation


Unser zweiter Trendreport geht der Frage nach, wie die islamistische Online-Szene über unauffällige Inhalte Reichweite aufbaut.

Titelseite Trendreport Nr. 2/2026 Erste Seite Lagebild Nr. 2/2026
Trendreport (PDF, 27 Seiten) ↓ Lagebild (PDF, 2 Seiten) ↓

Mit dem Trendreport Nr. 2/2026 schreiben wir die Akteurslandschaft aus unserem ersten Trendreport vom Mai für die Monate Juli bis September 2026 fort. Erstmals stützt sich der Report dabei auf die eigene Feldrecherche des Projekts, für die wir 754 Beiträge aus 312 Konten in sozialen Medien ausgewertet haben, höchstens 30 je Konto und mit Datenstand 13. Oktober 2026. Weil diese Feldrecherche anlassbezogen gewachsen ist und keine Stichprobe darstellt, beschreiben ihre Häufigkeiten unseren eigenen Bestand, ohne für das gesamte Feld zu stehen.

Im Mittelpunkt stehen drei Befunde. Vieles spricht dafür, dass die Szene Reichweite derzeit weniger über zugespitzte Inhalte gewinnt als über Kanäle, die vor allem Frömmigkeit und Alltag zeigen und ideologische Deutungen beiläufig mitführen. In unserem Bestand erhalten unbedenklich wirkende Beiträge je Aufruf sogar mehr Zustimmung als deutlich ideologische. Das Narrativ einer staatlichen „Assimilationsagenda“ wirkt als Brücke, weil es an reale Diskriminierungserfahrungen und an Rahmungen anschließt, die auch außerhalb der Szene vertreten werden. Religiös umgedeutete Männlichkeitsbilder schließlich verbinden die Szene mit global zirkulierenden patriarchalen Mustern und erreichen junge Männer in Formaten, die als wenig riskant gelten.

Neu im Blick sind türkischsprachige Formate, vor allem Straßeninterviews, in denen Passanten etwa die Scharia oder die Auswanderung aus Europa fordern. Sie machen knapp acht Prozent der ausgewerteten Beiträge aus, stellen aber fünf der zehn reichweitenstärksten. Wir behandeln diese Kanäle als Reichweitenträger, ohne sie selbst als islamistische Akteure einzustufen, weil die Aussagen von den Interviewten stammen und ihre Wirkung erst durch Auswahl und Schnitt entsteht. Nach unserer Kenntnis erfasst sie bislang kein deutschsprachiger Träger systematisch.

Für die Praxis folgt daraus vor allem, dass Prebunking an den Übergängen ansetzen sollte, an denen berechtigte Kritik an Diskriminierung in die Erzählung eines planvollen Identitätsraubs kippt oder Frömmigkeit in einen Exklusivitätsanspruch übergeht. Der Report beschreibt außerdem, wie Präventionsarbeit selbst zum Gegenstand islamistischer Propaganda wird und warum Träger ihre muslimischen Mitarbeitenden auf gezielte Anfeindungen vorbereiten sollten.

Das Lagebild Nr. 2/2026 fasst die Ergebnisse auf zwei Seiten zusammen und lässt sich auch einzeln verwenden, etwa in Fortbildungen. Beide Dokumente stehen unter Berichte zum Herunterladen bereit.


Behind the Feed ist Teil des Projekts Digitale Resilienz der Alhambra Gesellschaft e.V. und wird gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder des Bundesministeriums des Innern (BMI) dar. Für inhaltliche Aussagen trägt der Autor bzw. tragen die Autoren die Verantwortung.

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